City of Cape Town
Fire & Rescue Services
(CTFRS)

Fire Station Milnerton

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Im Zuge des Osterurlaubes 2010 bei der Familie meines Schwagers in Kapstadt hatten mein Sohn und ich die Gelegenheit zu einem Besuch bei der dortigen Feuerwehr. Die CTFRS ist eine reine Berufsfeuerwehr. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1845 zurück.

Sie ist aus dem Zusammenschluss von 7 Feuerwehren entstanden, nachdem die Umlandgemeinden in Kapstadt eingemeindet wurden. "Umlandgemeinden" entspricht in diesem Sinn nicht unbedingt unseren Vorstellungen. So lebt etwa mein Schwager im Stadtteil Table View (benannt nach dem herrlichen Ausblick vom Strand auf den berühmten Tafelberg) und wohnt damit die "Kleinigkeit" von 32 km vom Stadtzentrum entfernt. Die Fahrtzeit dorthin beträgt aufgrund der ewigen Staus übrigens knapp eine Stunde.

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Batch

Tafelberg und Zentrum von Kapstadt mit Hafen

Kapstadt wächst enorm: Und das fast überwiegend in die Breite, da es mit Ausnahme des unmittelbaren Stadtzentrums am Fuße des Tafelberges kaum Hochhäuser, sondern nur Einfamilienhäuser gibt. Daraus resultiert, dass die CTFRS eine Fläche von ca. 2.500 km² mit mittlerweile über 1 Mio Haushalten abdecken muss. Die Bevölkerung wird auf ca. 4 Mio geschätzt.

Die CTFRS betreut dieses Gebiet mit 28 "Fire Stations" und einem Stammpersonal von knapp 1.200 Frauen und Männern. Dazu kommen in den heißen Sommermonaten nochmals zusätzliche "Seasonal Fire Fighters", also Saisonarbeiter. Hintergrund ist hier, dass die Sommermonate in der Kapregion oft sehr heiß, insbesondere aber extrem trocken sind. Daraus ergibt sich auch schon das Hauptaufgabengebiet der CTFRS: Brandbekämpfung (leider oft genug aufgrund Brandlegung oder unachtsam weggeworfener Zigaretten). So verbrannte vor wenigen Jahren etwa ein großer Teil der Vegetation am Fuße des Tafelberges mit gravierenden Auswirkungen auf das unmittelbar angrenzende Stadtgebiet.

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Typischer Brand auf dem Tafelberg im Sommer

Tafelberg von Table View aus gesehen

Ich hatte Gelegenheit zu einem Besuch in der Fire Station Milnerton, ca. 25 km nördlich des Stadtzentrums gelegen. Milnerton ist gleich der nächste Stadtteil auf dem Weg von Table View ins Zentrum.

Der erste Eindruck: Ein vergleichsweise riesiges Gebäude mit einer hohen Anzahl (mehr als 20) an Fahrzeugen. Gleich nach der sehr freundlichen Begrüßung durch unseren Begleiter, Andrew Stott, stellte sich heraus, dass die Station mit lediglich 15 Mann pro Schicht zu je 24 Stunden betrieben wird. Bei Bedarf kann jedoch sehr kurzfristig weiteres Personal nachalarmiert werden.

Die Mannschaft besteht vorwiegend aus sehr jungen Leuten, das Durchschnittsalter in der aktuellen Schicht lag sicher deutlich unter 30 Jahren. Sie spiegelt das bunte Bevölkerungsgemisch der Kapregion wider: Engländer, Buren (ehemalige Niederländer), Zulus, Xhosa (zwei einheimische negroide Bevölkerungsgruppen) Inder. Der Großvater des Chefs der anwesenden Schicht war etwa aus Deutschland eingewandert.

Der Fahrzeugbestand machte einen leicht veralteten Eindruck, großteils handelt es sich um MAN-Fahrgestelle. Auf meine Frage an Andrew, ob er auch "Rosenbauer" kenne, öffnete er bei einem Fahrzeug die Heckklappe und zeigte mir eine Rosenbauer-Einbaupumpe. Sie hatten diese Pumpe selbst importiert und in Eigenregie eingebaut.

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Doch schon etwas älteres Baujahr, das aber
lediglich als Ersatzteillager verwendet wird

Rosenbauer-Einbaupumpe

Wie überhaupt beim Ein- bzw. Umbau des Öfteren improvisiert wird. So stammt etwa das größte Fahrzeug der Fire Station Milnerton von einer in der Nähe gelegenen Öl-Raffinerie und war früher ein Transportfahrzeug für Benzin. Es wurde der Feuerwehr als Geschenk überlassen, der Umbau zu einem TLF erfolgte wiederum in Eigenregie. Es fasst für unsere Verhältnisse ungewöhnliche 18.000 Liter.

Das zweite große TLF fasst 6.000 Liter und wurde der Fire Station vom ehemaligen Luftwaffenstützpunkt in Milnerton überlassen, wo es im Bestand der Flughafenfeuerwehr war. Die CTFRS ist also offensichtlich des Öfteren auf „Spenden“ angewiesen.

Die Größe der TLF hat auch noch zwei weitere Hintergründe. Einerseits ist die Wasserversorgung gerade im Sommer aufgrund des niedrigen Grundwasserspiegels durch bestehende Leitungssysteme nicht immer sichergestellt. Andererseits kämpft die CTFRS mit dem Phänomen der nach wie vor sehr stark verbreiteten Armut in Südafrika. Die Auswirkung: Ein neu aufgestellter Hydrant "verschwindet" binnen kürzester Zeit. Oder anders ausgedrückt: Hydranten werden gestohlen, eingeschmolzen und das Metall verkauft. Es gibt immer irgendeinen Familienvater aus den nach wie vor bestehenden Slums, der seine hungrige Familie ernähren muss und wegen der enormen Arbeitslosikeit keinen anderen Ausweg mehr sieht. Als Konsequenz werden kaum noch Hydranten installiert.

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TLF 18.000

Einer der schon eher raren Hydranten

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LFB modernerer Bauart

Führerstand eines TLF

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Atemschutzgeräte in einem TLF

Südafrikanische Schläuche mit englischen Kupplungen

Die ungelösten sozialen Probleme führen auch noch zu einem weiteren, für uns undenkbaren Ausrüstungsgegenstand: Bullet proof vests, also kugelsichere Westen. Diese werden grundsätzlich angezogen, wenn in den Slums ein Feuer ausbricht. Andrew berichtete auch, dass er in gewisse Gegenden nur mit Polizeischutz in den Einsatz geht. Hier fürchtet er aber nicht so sehr um seine persönliche Sicherheit. Es geht ihm vielmehr darum, dass er nicht ständig zwei Mann seiner Mannschaft abstellen kann, um Fahrzeuge und Ausrüstung zu bewachen.

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Brand in den Slums - Einsatz nur mit Polizeischutz

TLF 300

Eine weitere Eigenheit der CTFRS ist, dass hier Feuerwehr und Rettung noch vereint sind, obwohl es zusätzlich in Kapstadt eine städtische Ambulanz-Organisation gibt. Die Erstversorgung - insbesondere bei Bränden - wird jedoch von den Feuerwehr-Kameraden erledigt. Dazu steht auch ein speziell ausgerüstetes Einsatzfahrzeug zur Verfügung.

An Spezialfahrzeugen sind ua. ein GSF sowie ein geländegängiges TLF 300 vorhanden, beide erst jüngere Anschaffungen. Letzteres wird auf einem Anhänger zum Einsatz transportiert und insbesondere bei kleineren Buschbränden eingesetzt.

Auch eine auf den ersten Blick (wir befanden uns ja in einem Wohnviertel mit Einfamilienhäusern) völlig überdimensionierte Drehleiter ist vorhanden. Diese stammt jedoch noch aus der Zeit als die Raffinerie mit ihrem Tanklager noch in Vollbetrieb war.

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Rettungsfahrzeug der Feuerwehr

GSF (die letzte Neuanschaffung)

Die Station selbst ist großzügig mit Aufenthalts-, Schlaf- und Fitness-Räumen ausgestattet. Auch eine eigene, relativ große Küche ist vorhanden, das Essen muss jedoch selbst zubereitet werden. Auffallend auch, dass hier Stations- und Schulungsbetrieb kombiniert werden. Neben einem großen Schulungsraum befindet sich ein Raum, in dem der Umgang mit den technischen Geräten geübt werden kann.

Im Freien gibt es zusätzlich ein großes Schwimmbecken. Dieses ist allerdings kein erweitertes Freizeitangebot, sondern dient ausschließlich zur Ausbildung der Feuerwehr-Taucher. Gleich daneben wird ein 5 m hoher Silo zum Atemschutztraining verwendet.

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Tauchbecken

Trainingssilo für Atemschutzträger

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Trophäen-Vitrine im Aufenthaltsraum

Der stv. Postenkommandant, der Autor mit seinem Sohn,
der Postenkommandant und unser Begleiter Andrew Stott

Resümee des Besuches: Ein äußerst interessanter dreistündiger Besuch bei einer Feuerwehr in einem Land, das aus unserer europäischen Sicht in vielen Bereichen noch als Entwicklungsland zu betrachten ist. Gerade deshalb waren die Eindrücke aber auch sehr vielfältig und spannend.

Robert Gründlinger

Dienstag, 12. Dezember 2017

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